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Aktuelles

Eine Reise nach Izhevsk in der Russischen Föderation

Vom 04.02. bis zum 12.02.2019 machten sich acht angehende Industriekaufleute der BBS Haarentor auf den Weg nach Russland, genauer gesagt: nach Izhevsk, in die Hauptstadt der Republik Udmurtien. Bereits zum sechsten Mal fand damit eine Begegnung zwischen SchülerInnen des Izhevsker Polytechnischen Colleges und den Berufsbildenden Schulen Haarentor statt. Gefördert wurde auch diese Begegnung von der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, begleitet wurde sie von Petra Jünke, Volker Kruse und auf russischer Seite Olga Byzova.

 

das Projektthema: Kulturelle, religiöse und ethnische Vielfalt in der Region Izhevsk

Die TeilnehmerInnen des Austausches beschäftigten sich während der fünftägigen Projektphase mit der „kulturellen, religiösen und ethnischen Vielfalt in der Region Izhevsk“. Sie erkundeten dabei Russland als Vielvölkerstaat und erfuhren z.B. einiges über udmurtische Kultur oder Spuren deutscher Einwanderer in Izhevsk. Warum ein solches Projektthema? - Angesichts der weiter zunehmenden Pluralität von Gesellschaften sind wir als Gruppe und als Individuen mehr denn je gefordert, auch Unterschiede, Vielfalt, Differenz als normalen Zustand zu begreifen und auszuhalten. Dem gegenüber stehen populistische, aber weltfremde Parolen der Vereinfachung und des Ausgrenzens. Die Projektarbeit wollte dem positive Erfahrungen gesellschaftlicher Vielfalt entgegensetzen.

 

zu Gast im Dorf Puro-Mozhga

Ein besonderes Erlebnis für alle war dabei die Einladung in das udmurtische Dorf Puro-Mozhga, die von Angelina Kadrova organisiert wurde. In der guten Stube empfing uns dann gefühlt das halbe Dorf. Am Küchentisch hatten wir Gelegenheit unter Anleitung der „Babuschkas“ den Teig der Spezialität Perepetschi zu formen. Danach konnten wir die Teigtaschen füllen und in den Ofen schieben. Währenddessen wurden unter Anleitung der Dorfbewohnerinnen im Wohnzimmer traditionelle Tänze geübt, es wurde Akkordeon gespielt, viel gelacht und viel gegessen. Welch eine tolle unvergessliche Stimmung! Bei Sonnenschein ging es durch das verschneite Dorf zum Eishockey-Feld; Das Kommando übernahm hier eine Dorfbewohnerin, die uns in gemischte Mannschaften mit den Dorfbewohnern einteilte. So spielten Jung und Alt, Frauen und Männer, deutsche, russische und udmurtische Spieler gegeneinander, die vielen einheimischen Zuschauer sorgten für eine tolle Stimmung. Der beginnende Sonnenuntergang sorgte zusätzlich für eine stimmungsvolle Atmosphäre. Glücklich und müde nach einer herzlichen Verabschiedung und dem Austausch vieler Geschenke fuhren wir zurück nach Izhevsk. Die Gastfreundschaft, Herzlichkeit, Offenheit und Lebensfreude, mit der uns die Bewohner von Puro-Mozhga begegneten, werden wir lange im Herzen tragen.

 

im Jugendheim ...

Für uns überraschend war auch die Begegnung mit dem Verein „Югендхайм“ (dt.: Jugendheim), einem russisch-deutschen Jugendkultur-Verein: Mitten in Izhevsk gab es einen „Outdoor-Tanzkurs“ bei ca. -15 Grad. Das an sich ist eigentlich nicht sooo besonders. Erstaunlich war nur, dass uns die Tanzschritte für „la promenade“ in perfektem Deutsch erklärt wurden!

Anschließend erfuhren wir auf dem Weg zu den Vereinsräumen Einiges über die Geschichte deutscher Einwanderer in Izhevsk. Z.B., dass zahlreiche westeuropäische Einwanderer, viele davon Ingenieure, seit dem 19. Jahrhundert beim Aufbau der Izhevsker Waffenfabriken halfen. Sie alle wurden kurzerhand als „Nemzy“ (Deutsche) bezeichnet, ein Wort, das vom russischen Wort für „stumm“ (nemoj) abgeleitet wurde. Weil sie kein Russisch sprachen, verhielten sich die Einwanderer stumm.

In den gemütlichen Vereinsräumen erwartete uns dann eine ganz und gar nicht stumme, sondern gut gelaunte Gesellschaft, die uns zum Schwitzen brachte: Wir mussten in zwei Mannschaften in einem Wettbewerb unsere deutschen kulturellen und geographischen Kenntnisse unter Beweis stellen, was nicht allen leicht fiel. Belohnt wurden wir mit zwei Torten! Auch diese Begegnung wird uns allen unvergesslich bleiben und wir hoffen auf weitere Begegnungen mit dem Verein.

 

 

… und wie geht es weiter?

Wir freuen uns auf den nächsten Besuch aus Izhevsk: Im Oktober 2019 hoffen wir, eine Gruppe StudentInnen vom Izhevsker Polytechnischen College in Begleitung ihrer Lehrerin Olga Byzowa begrüßen zu können. Neu hinzu kommt eventuell eine Gruppe polnischer SchülerInnen.

Auch für die „Ehemaligen“, die mittlerweile auf beiden Seiten der Ausbildung entwachsen sind, möchten wir versuchen, zukünftig einen Weg für deutsch-russischen Austausch zu finden. Zu diesem Zweck haben wir vor einigen Monaten Kontakt zur Oldenburger Gesellschaft Deutschland/Russland/Dagestan aufgenom­men. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, hieran mitzuwirken.