Johannes B. Medienkaufmann vom 27.07.-06.09.2014 in Rouen France

Im Rahmen seiner Berufsausbildung absolvierte Johannes B. in Frankreich einen Lernaufenthalt. Dabei arbeitete er in Rouen um die Kultur näher kennenzulernen und zahlreiche Eindrücke zu  sammeln.

Von der Idee bis zur Anreise

Das Gefühl, mehr als 800 Kilometer vom vertrauten Ostfriesland entfernt zu sein, das erlebe ich aktuell jeden Tag bis Anfang September. Ich habe die Möglichkeit erhalten und verbringe einen Teil meiner Ausbildung im Ausland. Genauer gesagt wohne und arbeite ich in Rouen, eine Stadt in der Normandie. Ich verbringe meine Zeit in Frankreich, um die französische Kultur näher kennenzulernen, die eigenen Sprachkenntnisse aufzufrischen, zu verbessern und natürlich zahlreiche Erfahrungen zu machen.

Einen Teil der Berufsausbildung im Ausland zu verbringen, ist sicherlich für viele Auszubildende ein Traum. Als mir von der Berufsschule angeboten wurde, mehrere Wochen im Ausland zu arbeiten, war für mich sofort klar, dass ich das Angebot nutzen muss. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, dass auch die Vorgesetzten meines Ausbildungsbetriebs sich für das Auslandspraktikum entschieden haben und mir dieses schließlich auch ermöglichen. Selbstverständlich ist es nämlich nicht, dass ein Auszubildender für sechs Wochen freigestellt wird und für sechs Wochen in einem anderen ausländischen Betrieb ausgebildet wird.
Doch welches europäische Land käme für mein Praktikum überhaupt in Betracht? Viele junge Menschen wollen nach Großbritannien, denn dort tummeln sich doch irgendwie alle. Aber Englisch sprechen kann heutzutage fast jeder und da muss im Lebenslauf doch eher etwas Besonderes, wie zum Beispiel ein Auslandsaufenthalt in Frankreich, stehen.
Die Entscheidung, dass ich mein Praktikum in Frankreich verbringe, habe ich recht schnell getroffen. Es spielten bei dieser Entscheidung mehrere Faktoren eine Rolle. Doch die Tatsache, dass ich Französisch insgesamt fünf Jahre in der Schule gelernt habe, war schließlich für mich ausschlaggebend.
Vom Hamburger Flughafen aus flog ich nach Paris. Doch mein Reiseziel, Rouen in der Normandie, liegt noch rund eineinhalb Stunden mit dem Zug entfernt. Die erste Herausforderung, mit den richtigen Zügen quer durch Paris zu fahren, konnte ich recht gut meistern. Meine ersten Kenntnisse in Französisch waren hierfür überaus hilfreich!

Sprachschule

Die ersten zwei Wochen waren sehr schnell vorüber. In den ersten Tagen habe ich einen Kurs in einer Sprachschule belegt und meine Sprachkenntnisse erweitert. Die Unterrichtsstunden haben mir gut gefallen, denn es wurde ausschließlich in kleinen Gruppen gelernt. Neue Vokabeln, die Grammatik und Aussprache hatten während des Unterrichts einen hohen Stellenwert. Das Besondere hierbei war, dass ich sozusagen zusammen mit Schülern aus der gesamten Welt gemeinsam gelernt habe. In meinem Kurs waren unter anderem Schüler aus Amerika, Schweden, Griechenland, Russland und Thailand. Wenn mich jemand fragen würde, wie ich Kulturvielfalt beschreiben würde, dann sicherlich so.

Essen und Familie

Schon während der ersten zwei Wochen habe ich einige Unterschiede zu Deutschland festgestellt. Beginnen wir bei meiner Lieblingsbeschäftigung - dem Essen. Von meinem Zuhause bin ich es gewohnt, dass es neben einem Salat und einem Dessert eine Hauptspeise zum Abendessen gibt. Doch während meines Aufenthaltes bei meiner französischen Gastfamilie in Rouen habe ich verhältnismäßig schnell erfahren, dass man das Essen hierzulande wirklich genießen muss. Fünf Gänge beim französischen Abendessen ist eher das Minimum. Und wenn es nach anderen Franzosen geht, dann dürfen es auch gerne mehr sein, aber für mich sind so viele Gänge doch schon etwas viel.
Begonnen wird hier meist mit kleinen Appetithäppchen, denen verschiedene Arten von frischen Salaten folgen. Nebenbei gibt es reichlich Baguette, das man auf gar keinen Fall einfach so abbeißt, sondern in mundgerechte Stücke mit der Hand abbricht und dann isst. Danach kann es endlich mit der Hauptspeise losgehen. Es gibt in meiner Gastfamilie normalerweise zwei zur Auswahl. In den letzten Tagen hat es unter anderem Meeresfrüchte, darunter Muscheln, Schnecken und Krebse, sowie Hühnchen, Quiche und Crêpe gegeben. Dem Hauptgericht folgten dann frische Früchte - unter anderem Ananas oder ein kleiner Obstsalat. Eine große Auswahl also, bei der jedoch meine Gastfamilie zum Glück nicht beleidigt ist, wenn ich nicht alles probiere - denn Meeresfrüchte sind nun mal nicht nach meinem Geschmack.
Äußerst bewundernswert finde ich es, dass meine Gastmutter jeden Tag frisch kocht. Bislang habe ich es nicht mitbekommen, dass irgendetwas aus der Gefriertruhe kommt und aufgetaut wird. Äußerst gesund ist das französische Essen in gewisser Hinsicht schon, wobei man auf die Dauer gesehen, schon auf die Figur achten muss.

Arbeit im Betrieb

Nach dem zweiwöchigen Sprachkurs habe ich mit meinem richtigen Praktikum im Betrieb angefangen. Da ich in derselben Schule arbeite, in der ich auch meinen Sprachkurs absolvierte, war es für mich ein Vorteil, dass ich schon einige Kollegen kannte. Ich wurde herzlichst begrüßt und mir wurden alle Mitarbeiter vorgestellt. Da ich mich zurzeit in einer Ausbildung zum Medienkaufmann für Digital und Print befinde, werde ich auch hier in Frankreich dementsprechend ausgebildet. Direkt am ersten Tag sagte meine Mentorin zu mir, dass sich für mich eine „Special Mission“ habe. Da war ich natürlich sehr gespannt und habe mich gefragt, was es wohl für eine Aufgabe sein könnte. Kurze Zeit später drückte sie mir eine französische Tageszeitung in die Hand. Meine Aufgabe für die Praktikumszeit war fortan das Erstellen einer Zeitung mit zahlreichen Informationen zur Schule und über die Stadt Rouen – und das natürlich alles in französischer Sprache. Die fertige Zeitung soll den zukünftigen Sprachschülern den Einstieg in die Schule erleichtern und ihnen darüber hinaus zahlreiche Freizeitmöglichkeiten aufzeigen, die die Stadt Rouen zu bieten hat.

In den ersten Praktikumstagen habe ich damit begonnen, die Zeitung zu planen, Umfragen vorzubereiten und ausgewählte Sehenswürdigkeiten in Rouen zu besuchen. Diese stellte ich später mit Bildern und kleinen Texten mir Hintergrundinformationen in der Zeitung näher vor. Aufgrund der Tatsache, dass die Sprachschule sowohl von Minderjährigen als auch von vielen Erwachsenen besucht wird, musste ich natürlich eine sozusagen ausgewogene Zeitung erstellen. Das heißt, die Berichte müssen für jede Altersklasse interessant sein. Als Themenschwerpunkte in der Zeitung habe ich deshalb die Kategorien „Warum besuchst du gerade diese Schule?“, „Kennst du diese Sehenswürdigkeiten?“ und „Bist du hungrig - Dann probiere doch diese französischen Spezialitäten“, ausgewählt. Meine Mentorin war mit meiner kreativen Arbeit sehr zufrieden.

Wenn ich etwas Zeit hatte und nicht gerade an der Zeitung arbeitete, dann habe ich an anderen Stellen in der Sprachschule ausgeholfen. Ich habe Arbeitszettel für Schüler kopiert, Begrüßungsmappen erstellt und ansonsten kleinere Büroarbeiten erledigt.

Freizeit in Rouen

Während meiner Freizeit gehe ich gerne in die Stadt, durchstöbere die vielen Einkaufsläden nach tollen Schnäppchen beim Sommerschlussverkauf oder unternehme ab und zu etwas mit anderen Sprachschülern. Eines Abends sind wir auf die Idee gekommen, einfach mal im August Weihnachtskekse zu backen. Kurzerhand sind wir am darauffolgenden Tag ins Einkaufszentrum gefahren und haben die Zutaten besorgt. Im Nachhinein war uns aber klar, dass wir uns hätten besser die Vokabeln für die einzelnen Zutaten merken müssen. Denn wenn man beispielsweise Glasur oder Streusel nicht im Regal findet und man die französische Bezeichnung nicht weiß – ja dann gibt es ein Problem. Statt ein paar Minuten haben wir eine gute Stunde gebraucht, um die Zutaten zu finden. Am späten Nachmittag haben wir dann damit begonnen, den Teig herzustellen. Auch das ist interessant, denn meine Backpartner waren aus Kolumbien und der Schweiz. Es wird sich größtenteils auf Französisch unterhalten und wenn es mal nicht klappt, dann auf Englisch. Insgesamt hat es großen Spaß gemacht, gemeinsam zu backen. Auch unsere Gasteltern waren von der Aktion begeistert und haben von den Leckereien probiert. Die meisten Kekse haben wir dann zur Freude anderer Schüler mit in die Sprachschule gebracht. Zunächst gab es einige skeptische Blicke, gerade aufgrund der Tatsache, dass es draußen 20 Grad waren, aber nach etwas Zögern wurde dann doch beherzt zugegriffen.

Ansonsten gehen wir am Abend gerne mal in die Stadt und schauen uns gemütlich das Nachtleben von Rouen an…