Waldemar L., Kaufmann für Dialogmarketing, Sommer 2019 in Belfast, UK

Anreise und Unterkunft

Meine Reise nach Belfast fing am 08.07.19 um 10 Uhr an, wo ich zuerst von Bremen nach Amsterdam und dann von dort aus nach Belfast flog. Um ca. 16 Uhr bin ich dann in Belfast angekommen und wurde von einem Taxi abgeholt und zu meiner Unterkunft gefahren. Der Taxifahrer war ein freundlicher Mann, der sich sofort mit mir über alle möglichen Themen unterhalten hat. Meine Unterkunft war ein Reihenhaus mit 5 Schlafzimmern, 2 Badezimmern und einer Küche. Das Haus an sich war zwar äußerlich nicht sehr schön und teilweise auch schon sehr alt, aber es hatte alles Wichtige bei sich und war bewohnbar. Der größte Vorteil meiner Unterkunft war die nahe Lage zur Innenstadt. Man musste nur ca. 20 Minuten zu Fuß laufen und schon war man in der Innenstadt bei der Belfast City Hall. Nach meiner Ankunft im Haus habe ich meine Mitbewohner kennengelernt und zu meiner positiven Überraschung waren es drei Personen, die auch auf die BBS Haarentor gingen.

Arbeit

Während meines Lernaufenthaltes arbeitete ich in einem Start-up-Unternehmen, welches sich zu dem Zeitpunkt in einer wichtigen Phase befand: Das Unternehmen hat ein neues Produkt konzipiert und war dabei potenzielle Käufer dafür zu werben. Zu Beginn habe ich mich mit dem Produkt und der kommenden Marketingstrategie auseinandergesetzt. Meine Hauptaufgabe war es eine komplett neue Datenbank aufzubauen, die dann in das CRM-System implementiert wurde. Für die Datenbank habe ich Daten von zahlreichen Gewerben aus dem Internet gesammelt und diese in der Datenbank festgehalten. Die Gewerbe setzten sich zusammen aus Restaurants, Bars und Hotels. Weil die Gastronomie-Branche in Belfast sehr groß ist, konnte ich eine umfangreiche Anzahl an Kontakten für die Datenbank finden. Diese Kontakte wurden dann als potenzielle Kunden bzw. “Leads” gespeichert und die Marketingstrategie sollte an diesen “Leads” getestet werden. Sobald ich genug Kontakte in die Datenbank aufgenommen hatte, sollte ich die einzelnen Kontakte telefonisch kontaktieren und aus dem Gespräch heraus noch mehr Daten für die Datenbank sammeln und diese gleichzeitig zu einem Event einladen, welches vom Unternehmen geplant wurde. Anfangs musste ich mich noch in die Tätigkeit einarbeiten, weil ich zuvor noch nie etwas mit der Gastronomie-Branche gemacht hatte. Das Telefonieren erwies sich zum Anfang hin auch ungewohnt, weil ich in meiner Ausbildung bisher noch nie auf Englisch telefonieren musste. Aber nach wiederholtem Male fiel es mir immer leichter, sodass ich zum Ende hin souverän am Telefon sprechen und gezielt auf getroffene Aussagen reagieren konnte. Die Arbeitsatmosphäre war unglaublich ruhig und entspannt, was natürlich in Kontrast zu einem Call-Center steht. Ich hatte an sich keine richtigen Arbeitskollegen, stattdessen habe ich zusammen mit dem CEO des Unternehmens gearbeitet, der gleichzeitig auch mein Mentor war. Ansonsten habe ich jeden Tag neue Gesichter auf der Arbeit gesehen, von Grafikdesignern bis hin zu Fotografen war immer jemand anderes da. Mein Mentor war vermutlich der beste Vorgesetzte, den ich jemals haben konnte. Er schien mir am Anfang eher Laissez-faire zu sein, aber später wurde mir klar, wie kooperativ und fürsorglich er mit mir umgegangen ist. Mein Mentor hat sich sehr viel Mühe dabei gegeben, dass ich alles richtig verstehe und Neues dazu lerne, damit ich mich über meine Grenzen hinaus weiterentwickeln und meine Fähigkeiten erweitern kann. Gleichzeitig hat er mir genug Freiheit auf der Arbeit gegeben, wodurch ich verschiedene Sachen in meinem eigenen Tempo ausprobieren und mich persönlich entfalten konnte.

Freizeit

In meiner Freizeit habe ich zusammen mit meinen Mitbewohnern verschiedene Orte, Attraktionen und Sehenswürdigkeiten in- und außerhalb Belfasts erkundigt. Am 12. Juli feierten die Nordiren den Orangemen’s Day mit einer Parade durch die Innenstadt. Ich habe mir diese Parade angeschaut und war fasziniert, wie die Protestanten unter den Nordiren ihre Identität und ihren Nationalstolz feiern und nach außen tragen. Glücklicherweise ist Belfast heute eine friedliche Stadt, weshalb keine Konflikte zwischen den Protestanten und den Katholiken während der Parade ausgetragen wurden. Auch wenn die Katholiken den Orangemen’s Day nicht feiern und deshalb auch nicht an der Parade teilnehmen, gab es dennoch schwerwiegende Auseinandersetzungen an diesem Tag in der Vergangenheit. Am nächsten Tag besuchte ich Belfast Castle und wanderte auf den dahinterliegenden Cave Hill hinauf. Der Cave Hill ist ein Basaltberg, der ca. 370 m hoch ist und am Rande von Belfast liegt. Die Wanderung auf den Cave Hill war teilweise etwas anstrengend, lief aber problemlos ab und der Gipfel bot eine fantastische Aussicht auf Belfast. Am darauffolgenden Sonntag war ich dann auf der Giants Causeway Tour, einer Bustour durch Nordirland. Der Bus führte durch verschiedene berühmte Orte und Sehenswürdigkeiten, und zwar Carnlough Village, Carrick-a-Rede (eine Insel, die durch eine Hängebrücke mit dem Festland verbunden ist), die Old-Bushmills-Brennerei (eine der ältesten Whiskeybrennereien der Welt), Dunluce Castle (eine der größten Ruinen einer mittelalterlichen Burg in Irland) und abschließend den Giant’s Causeway (eine UNESCO-Welterbestätte). Die Bustour war unglaublich toll und hat mir einen ganz großen Eindruck von der Kultur und Landschaft Nordirlands gegeben. An einem anderen Tag habe ich mit meinen Mitbewohnern den Belfast Zoo besucht, der sich auch am Nordost-Hang des Cave Hill befindet. Ansonsten habe ich viel Zeit in der Innenstadt verbracht und mir vor Ort viele Geschäfte angeschaut und das englische Essen in mehreren Restaurants ausprobiert.

Fazit

Bevor ich nach Belfast geflogen bin hatte ich Bedenken, ob ich der Situation gewachsen bin. In einem fremden Land, einer fremden Kultur und unter fremden Menschen zu leben ist nicht einfach. Vielmehr kann es auch furchterregend sein, wenn man sich selber noch nie in dieser Situation befand. Nachdem ich 4 Wochen lang in Belfast gelebt und gearbeitet habe, bin ich zutiefst froh darüber, diese Entscheidung getroffen zu haben. Ich habe eine enorme Anzahl an Eindrücken bekommen, die ich sonst in Deutschland niemals gehabt hätte. Ich habe die Menschen Nordirlands und deren Kultur kennengelernt, dessen Wesen sich durch Freundlichkeit, Offenheit und Lebenslust auszeichnet. Ich habe die Chance bekommen, bei einem Start-up-Unternehmen zu arbeiten und die Personen dort bei einer aufregenden Phase zu begleiten. Dabei habe ich nicht nur eine Menge Spaß gehabt, sondern auch sehr viel dazu gelernt. Auf der Arbeit konnte ich meine fachlichen Kompetenzen erweitern, während ich in meiner Freizeit meine persönlichen Fähigkeiten steigern konnte, darunter meine Anpassungsfähigkeit und Entschlossenheit. Seit meinem Lernaufenthalt bin ich mir über meine Stärken und Schwächen viel bewusster geworden und habe eine bessere Vorstellung von meinen Zukunftsplänen. Aus diesem Grund kann ich sagen, dass sich das Auslandspraktikum für mich in voller Linie gelohnt hat und kann jeder Person diese Erfahrung mit vollständiger Überzeugung empfehlen.