Besuch des Izhevsker Polytechnischen College in Izhevsk, Russland
27.Januar 2016 15:45  
Von: Volker Kruse



Vom 7.12. bis zum 13.12. besuchten die Auszubildenden Maria Klaus, Nicole Kral, Colin Filipp (alle angehende Industriekaufleute) und der Fachoberschüler Keno Lendzion (FOI 11) in Begleitung von Vera Mühlbradt und Volker Kruse das Izhevsker Polytechnische College in Izhevsk (Russland). Der Besuch sollte den Auftakt zu einem Austausch markieren, der im April des nächsten Jahres eine Gruppe von neun Studenten in Begleitung ihrer Lehrerin Olga Byzova zu uns führen wird. Neben der Stiftung Deutsch-Russischer-Jugendaustausch (DRJA), die das Austauschprojekt fördert, danken wir den Unternehmen Meica und Rügenwalder Mühle für die Unterstützung ihrer Auszubildenden. Russland liegt leider außerhalb des Erasmus-Fördergebiets und so war dieses Austauschvorhaben Neuland für unsere Schule; wir beschlossen deshalb, zunächst „in kleiner Besetzung“ loszuziehen.

 

Die 20-stündige Anreise in das über 3.000 km entfernte Izhevsk war eine Reise ins Ungewisse. Wem würden wir begegnen? Würden wir uns mit unseren Gastgebern überhaupt verständigen können? Und auch verstehen? Hoffentlich würden wir miteinander klarkommen.

Unsere Hoffnung wurde mehr als erfüllt. Olga Byzowa und ihre Studenten/-innen nahmen uns mit großer Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit auf. Am Ende spielten die Sprachbarrieren beider Seiten keine wesentliche Rolle mehr. Das Interesse aneinander und die Offenheit füreinander, unterstützt von Übersetzungs- und Wörterbuch-Apps sowie Vkontakte, dem „rus­sischen WhatsApp“, ließen die Sprach­barrieren allmählich unwichtig werden. Ein Netz von freundschaftlichen Beziehungen entwickelte sich, viel zu kurz wurden die Tage, die wir in Izhevsk blieben, und zu schnell waren sie zu Ende. Zurück kehrten wir mit vielen Eindrücken, neuen Erfahrungen und vor allem vielen Erinnerungen an all die freundlichen Menschen, die wir kennenlernten. Wir freuen uns auf den Besuch der russischen Gruppe an unserer Schule im April 2016!

 

 

Für alle, die weiterlesen möchten, hier noch etwas über Verlauf und Programm der Begegung:

Um 4.41 Uhr morgens stiegen wir am Montag in den Zug nach Berlin, von wo es mit Zwischen­stopp in Moskau nach Kazan (Hauptstadt der Autonomen Republik Tatarstan) ging. Hier wartete ein Großraum-Taxi auf uns, mit dem wir die letzten 380 km nach Izhevsk zurücklegten. Izhevsk ist mit 700.000 Einwohnern die Haupstadt der Republik Udmurtien und war bis in die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts als ein Zentrum der Rüstungsindustrie eine geschlossene Stadt. Noch auf der Fahrt, hielten wir kurz vor Mitternacht an einem „Fischmarkt“, von Einheimischen manchmal auch als „tatarisches McDonald's“ be­zeichnet. Einige Frauen verkauften hier in einfachen Büdchen Räucherfisch, gefangen in den angrenzenden Flusslandschaften von Wjatka und Kama, sowie Backwaren. Um diese Tageszeit handelte es sich eindeutig um einen Käufermarkt, auf dem nur offensives Direkt­marketing zum Erfolg führt. Nachdem Markttransparenz hergestellt war: soll heißen, wir als Deutsche erkannt waren - stiegen die Preise leicht an.

Am Dienstag um 4 Uhr morgens (nach unserer Zeit 1.00 Uhr) hatten wir Izhevsk und unser Hotel erreicht und feierten die Ankunft mit dem Verzehr unserer erhandelten Räucherfische – köstlich!

Nach der nötigen Mütze Schlaf wurden wir von Olga Byzova abgeholt – mit dem Trolleybus ging es ins College, wo uns Direktor Wladimir Alexandrovitch Dolganov offiziell begrüßte.

Im Anschluss wurde es spannend: Beide Gruppen begegneten sich! Die Kennenlern-Spiele waren von den russischen Stu­den­ten vorbereitet worden und ließen uns zum ersten Mal zusammen lachen. Ein Mittagessen beim Direktor folgte. Auch an den nächsten Tagen durften wir mit dem Schulleiter oder seinem Stellvertreter, Herrn Fajsullin, zu Mittag es­sen. Dabei lernten wir die gefährlichste rus­sische Mengen­einheit kennen: „tschut-tschut („ein bisschen“) …

Auch nach dem Mittagessen blieb es gefährlich: Vier Gruppen brachen zu einer Stadtrallye auf, in jeder Gruppe eine/r von uns – nur eine/r. Nun stellte sich das Verständigungsproblem also in seiner ganzen Schärfe. Und auch die Frage nach der Verantwortung füreinander. Kälte, Wind und Schnee ließen diese komplexe Lernsituation zusätzlich unangenehm werden. Nachdem das Programm des ersten Tags er­ledigt war, trafen wir uns mit den russischen Studenten/innen in einer Kneipe.

 

In den folgenden Tagen wurde am gemeinsamen Projekt gearbeitet: Es sollten Videoclips mit kurzen Sprachlern-Dialogen auf deutsch und russisch gedreht werden, und das möglichst an Origi­nal­schauplätzen. Als die Videos „im Kasten waren“, musste der gemeinsame Bühnenauftritt in der Aula geprobt werden. In einem deutsch-russischen Quartett wurde „Marmor, Stein und Eisen bricht“, in großer, aber ebenfalls internationaler Besetzung „Moskau“ von Dshingis Khan geprobt. Parallel ar­bei­ten beide Seiten heimlich an weiteren Bühnen-Beiträgen, mit denen man einander überraschen wollte. Je näher die Aufführung kam, umso größer wurde die Nervosität. Schließlich versammelten sich am Freitagmittag um 13.00 Uhr ca. 250 Menschen in der Aula, um die gemeinsame „Bühnen­show“ zu sehen. Eine besondere Ehre für uns: Der Schulleiter Herr Dolganov selbst nahm die Gitar­re zu Hand und trug zwei deutsche Lieder vor.

 

Um die Reisestrapazen etwas zu reduzieren, machten wir auf der Rückreise Halt in Kazan und schauten uns dort Kreml, Kul-Scharif-Moschee und Bauman-Straße an. Beeindruckend!

 

Viel wäre noch zu erzählen – davon, dass das College weitgehende Budgetrechte hat, durch die eigene Kfz-Werkstatt, eine Lackiererei, einen Friseursalon oder z. B. Dienstleistungen im Bereich Gastronomie eigene Finanzmittel erwirtschaftet, auch vom Kalaschnikov-Museum hätten einige ausführlich zu erzählen, oder von der (angeblichen) udmurtischen Magie, dem Schlittschuhlaufen, von der einmaligen Silhouette des Kazaner Kremls und vom Schnee, den vereisten Gehwegen in Izhevsk, vom Miteinander-Sprechen trotz Sprachbarriere, vor allem aber von den Menschen, denen wir begegneten und die uns so freundlich aufnahmen.

 

 

zum Fotoalbum …

 

 







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